Termin Details


J.S. Bach: 3. Brandenburgisches Konzert, Waldemar von Baußnern: Himmlische Idyllen, virtuose Orgelwerke von J.S. Bach, Liszt u.a.

Orgel: Theophil Heinke
Berolina Ensemble

Vorverkauf:  18,- zzgl. Gebühr / erm. 15,- zzgl. Gebühr
Abendkasse 18,- / erm. 15,-
ermäßigt:  Schüler/Studenten/Azubis/Bürgergeldempfänger/Schwerbehinderte zahlen den Normalpreis und deren Begleitperson (Kennzeichen B im Ausweis) erhält freien Eintritt. Dafür bitte 2 Karten in der entsprechenden Ermäßigung buchen (Schwerbehindert + Begleiter). Kinder bis einschl. 14 Jahren haben ebenfalls freien Eintritt in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person.

• online unter —>Ticketshop

• in den größeren VVK-Stellen

• sowie an der Abendkasse

 

Berolina-Ensemble, Foto: Florian Schuh

Häufig ist das Berolina Ensemble mit seinen Einspielungen im Radio zu hören. Der Erfolg belegt den Spürsinn der jungen Musiker für Qualität: „Sie sind jung, sie sind gut, sie mischen die Klassikszene auf – sie sind: die Neuen!“  jubelt die Presse: „Gar nicht verstaubt!“ Das Ensemble wurde für seine spektakulären Einspielungen mehrfach mit dem ECHO und Opus Klassik ausgezeichnet.

In Wechmar spüren die Musiker gemeinsam mit dem erfahrenen Konzert-Organisten Theophil Heinke nach, wie die geniale Musik J.S. Bach’s andere Komponisten ansteckte und inspirierte. Beginnend mit dem 3. Brandenburgischen Konzert bis hin zu Waldemar von Baußnerns Himmlischen Idyllen erklingen auch glanzvolle und virtuose Stücke für Orgel Solo auf der klangschönen frisch restaurierten Ratzmann-Orgel. Erleben Sie ein Konzert mit Musik voller Poesie und ansteckender Freude!

Theophil Heinke, Foto: David Gorol

Theophil Heinke studierte u.a. an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden und an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar. Sein künstlerisches A-Diplom absolvierte er 1996 im Erfurter Dom St. Marien.

Bereits seit 1995 wirkt er als Kirchenmusiker in Waltershausen dort auch an der größten Barockorgel Thüringens.  Konzerte führten ihn auch in mehrere Länder Europas sowie Nord- und Südamerikas. Als Nachfolger von KMD Gottfried Preller leitet er seit 2018 den Thüringer Orgelsommer.

Mehrere CD-Produktionen an verschiedenen historischen Orgeln Thüringens sowie Rundfunk- und Fernsehaufnahmen dokumentieren Heinkes orgel-künstlerisches Profil. 2019 wurde er zum Botschafter des Landkreises Gotha 2020/21 ernannt.

Als Orgelsachverständiger begleitete er über 100 Orgelbauprojekte in Thüringen, u.a. auch die komplizierte sowie sehr aufwendige Rettung und Sanierung der klangschönen Ratzmann-Orgel in Wechmar.

Ratzmann-Orgel Wechmar, Foto: Benjamin-Kutter

Geschichte der Orgel in der St. Viti Kirche zu Wechmar (von OSV Theophil Heinke)

– 1865 von Ludwig Ratzmann aus Ohrdruf unter Verwendung der Blasebälge der Vorgängerorgel
   erbaut, in vielerlei Hinsicht konstruktiv und klanglich für seine Zeit ein neuartiges Instrument
– 1917 Abgabe der Prospektpfeifen für Kriegszwecke
– 1933 Gutachten von Landesmusikwart Erhard Mauersberger in Vorbereitung auf das Bach-Fest 1935
– 1935 Reparatur durch Orgelbauer Hugo Böhm, dabei werden die fehlenden Prospektpfeifen durch
   Zinkpfeifen ersetzt und fünf „mangelhafte“ bzw. fehlende
   Register durch neue ersetzt. In der Abnahme durch Mauersberger wird die Orgel als klangschön aber
   auch technisch mangelhaft bezeichnet. „Den Orgelbauer (Böhm) trifft (aber) keine Schuld“
– Pflegearbeiten und Reparaturen in der Nachkriegszeit durch verschiedene Orgelbauer, meist Böhm
   (Gotha)
– Um 2000 beginnen die Bemühungen, das klangschöne, aber technisch sehr mangelhafte Instrument
   zu sanieren.
   Dieser Prozess zieht sich hin, u.a. auch, weil nach einem langfristig tragbaren Konzept gesucht wurde.
   Angebote von mehreren Orgelbauern, Gutachten und
   Stellungnahmen von insgesamt fünf Orgelsachverständigen weisen auf die Komplexität der
   technischen Schwierigkeiten hin und suchen nach verschiedenen Lösungen.
– 2015 Einbau eines neuen Winderzeugers durch Orgelbauer Schönefeld (Stadtilm)
– 2017-2020 erneute Gutachten und Sanierungs-Angebote.
   Der Gemeindekirchenrat Wechmar ernennt Renate Schneider zur Orgelbeauftragten.
   Unter ihrer Regie wird der Förderverein und die Kirchgemeinde sehr aktiv, sammelt Fördermittel und
   Unterstützer für dieses aufwendige Projekt.
– 2021 Orgelbau Kutter (Friedrichroda) erhält den Auftrag zur Sanierung/Restaurierung.
    Mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie wird die Vorgehensweise
    abgestimmt.
    Die Arbeiten erfolgen in insgesamt 4 Bauetappen. Die technische Anlage wird hierbei grundsätzlich
    erhalten, aber an den unzulänglichen Stellen optimiert. Dadurch kann die durchaus originelle und für
    ihre Zeit zunkunftsweisende Konstruktion weitestgehend erhalten bleiben.
    Der von einigen Experten favourisierte technische Neubau war damit vom Tisch.
    Klanglich wird die Orgel teilweise auf den Originalzustand zurückgeführt,
    wobei der erhaltenswerten Veränderungen beibehalten werden.
– 2026 Fertigstellung der gesamten Orgelarbeiten und Wiedereinweihung

 

Auszug aus der Restaurierungs-Dokumentation
von Benjamin Kutter, Orgelbauer und Restaurator der Ratzmann-Orgel Wechmar:
In ungewöhnlich vielen Dingen unterschied sich dieser Orgelbau von den bisher üblichen Traditionen. Einer der wohl weniger auffälligen aber dennoch für die Zeit ungewöhnlichen überraschenden Details ist die kurze Bauzeit des Instruments. Ratzmann unterschrieb den Bauvertrag am 17. März 1864 (das Angebot erstellte er im Januar 1864), am 5. November 1865 wurde die Orgel eingeweiht. Wie aus einigen Schriftstücken hervorgeht, schien das Instrument zwar noch nicht vollständig vollendet gewesen zu sein, dennoch überrascht die sehr kurze Bauzeit.
Auffällig sind bei diesem Instrument einige Details, welche in der damaligen Thüringer Orgelwelt als absolutes Novum gelten können.
Zum einen erklären viele dieser Details die schnelle Bauzeit, jedoch auch die daraus resultierende folgende Unzuverlässigkeit des Instruments.
In jedem Falle schlug Ludwig Ratzmann mit diesem Instrument ein neues Kapitel im Thüringer Orgelbau auf.
Die wohl größte Neuerung stellt die Einführung eines neuen Windladensystems bei dieser mitteldeutschen Orgel dar.
Traditionell wurde im Mitteldeutschen Raum an der Schleifwindlade festgehalten. Berühmte Orgelbauer wie Ladegast und Schulze oder Kreuzbach hielten fast ausschließlich an diesem System bis Ende des 19. Jahrhunderts fest. Ratzmann baute in Wechmar die erste „Kegellade“ im Mitteldeutschen Raum. Wo er dieses
Windladensystem kennen gelernt hat und warum er sich dafür entschied wird wohl stetig sein Geheimnis bleiben.
Die Kegellade wurde bereits im 18. Jahrhundert in Süddeutschland erfunden. Bekanntester Erbauer Zahlreicher Kegelladen Orgeln im 19. Jahrhundert ist unumstritten Eberhard Friedrich Walcker aus Bad Canstadt später Ludwigsburg.

 

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