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Vier Jahreszeiten

Samstag, 25. Juni 2022 | 19:30 Uhr | Zella-Mehlis (Kirche Zella St. Blasii)

Theophil Heinke (Waltershausen) – Orgel
David Gorol (Berlin) – Violine

Die Vier Jahreszeiten von A. Vivaldi für Violine und Orgel arrangiert

Eintritt: 12,- €

Vivaldis berühmte Vier Jahreszeiten in der Fassung für Violine und Orgel, das ist ein Freundschaftsprodukt zweier Musiker, die sich seit Jahren den Möglichkeiten dieser Besetzung stellen und das Bedürfnis teilen, die übliche Standard-Violine-Orgel-Literatur zu erweitern. Die besonderen Klangqualitäten und orchestralen Klangeigenschaften der Thüringer Barockorgeln sind dabei sehr inspirierend für dieses herausfordernde Projekt, welches nun auch als CD (SACD) vorliegt. Die naturalistischen Klangfarben, die Vivaldi in seinem Werk konzipiert hat, lassen sich hierbei mit einer Barockorgel teilweise noch treffender gestalten, als mit dem original besetzten Streichorchester. Diese Bearbeitung ist völlig neuartig und weltweit die erste in dieser Besetzung. Sie wird nun hier in diesem Konzert auf einer besonders repräsentativen Thüringer Barockorgel präsentiert.

Theophil Heinke, Foto: privat

Theophil Heinke begann 1979 mit dem Orgelunterricht bei Volkmar Krumrei an der Silbermannorgel in Forchheim/Erzgebirge. Ab 1982 studierte er an der Kirchenmusikschule Dresden (Orgel bei Heinrich Albrecht) und später an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar bei Johannes Schäfer und Silvius von Kessel im Hauptfach Orgel. Im Rahmen der Cembaloausbildung bei Ludger Rémy und Bernhard Klapprott studierte er intensiv die Aufführungspraxis der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. 1996 absolvierte er das künstlerische A-Diplom im Erfurter Dom „St. Marien“.

1995 wurde Theophil Heinke Kirchenmusiker an der Stadtkirche in Waltershausen und wirkt seitdem dort an der größten Barockorgel Thüringens (1726-30 von H. G. Trost erbaut). 2006 erfolgte die Ernennung zum „Kirchenmusikdirektor“. Seit 2006 wirkt er als Vorstandsmitglied bei den Thüringer Bachwochen mit. 2011 bis 2014 war er im Präsidium der Silbermanngesellschaft tätig. 2017 übernahm er als Nachfolger von KMD Gottfried Preller, des Präsidenten und Initiators des Thüringer Orgelsommers, die Leitung dieses Festivals, welches zu den bedeutendsten Orgelfestivals Deutschlands gezählt werden darf.

Theophil Heinke ist seit 2000 Orgelsachverständiger und betreute seitdem mehr als 80 Orgelbauprojekte, überwiegend an historischen Instrumenten. Seine umfangreiche Konzerttätigkeit führte ihn in mehrere Länder Europas sowie Nord- und Südamerikas. Insgesamt zehn CD-Produktionen an verschiedenen historischen Orgeln Thüringens sowie Rundfunk- und Fernsehaufnahmen dokumentieren Heinkes künstlerisches Profil.

2019 wurde er zum Botschafter des Landkreises Gotha 2020-22 ernannt.

David Gorol, Foto: Friederike Roth

David Gorol studierte bei Prof. Christoph Jacobi an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy in Leipzig. Aufbauende Studien führten ihn zu Prof. Ulrike Anima-Mathé, Prof. John Holloway und Hans Maile. Neben solistischen Auftritten führten Konzerttourneen u.a. mit Dirigenten wie David Shallon, Gerd Albrecht, Bernhard Klee, Kurt Masur, Lothar Zagrosek, Kent Nagano, Herbert Blomstedt, Mario Venzago und Yutaka Sado nach Argentinien, China, Japan, in die meisten Länder Europas und die USA.

Seit 2009 leitet er das Berolina Ensemble, das zweimal mit dem Echo-Klassik „Ensemble des Jahres“ ausgezeichnet wurde (2014 und 2016) und 2019 den Opus Klassik erhielt.

Rommel-Orgel Kirche Zella St. Blasii, Foto: W.Hausberg

Die Orgel in der Kirche Zella St. Blasii wurde 1778/79 von Johann Caspar Rommel erbaut. Sie ist ein wertvolles Zeugnis des Spätbarocks in der Thüringer Orgellandschaft. Von 1988 bis 1990 wurde sie durch die Firma Schuke aus Potsdam aufwendig restauriert und in ihren Originalzustand zurückgeführt. Seither finden an der Rommel-Orgel regelmäßig Konzerte statt. Darüber hinaus belegen Seminare und Meisterkurse sowie mehrere CD-Produktionen den historischen Wert des Instrumentes. Die Orgel besitzt insgesamt 1406 Pfeifen, die sich auf 25 Register verteilen. Haupt- und Oberwerk sind mit jeweils 10 Stimmen gleichwertig ausgebaut. Rommels Instrument zeichnet sich vor allem durch eine Fülle charaktervoller Achtfuß-Register in beiden Manualen und die sich dadurch ergebende Möglichkeit, zahlreiche Klangfacetten in den Grundstimmen zur Verfügung zu haben, aus. Die fünf Pedalregister bilden ein gravitätisches Fundament und unterstreichen den grundtönigen Gesamtklang der Orgel.

Johann Caspar Rommel wurde 1721 in Roßdorf bei Schmalkalden als Sohn eines Drechslermeisters geboren. Hier lebte und arbeitete er auch bis zu seinem Tod 1800. Leider ist über seinen Werdegang wenig bekannt. Die Orgel in Zella-Mehlis ist das größte erhaltene Werk Rommels.

Hintergründe zum Projekt

Hierzulande war die Begleitung der Kantaten und Motetten eine der wichtigsten Funktionen der barocken Orgel. Dabei wurden auch Instrumente durch den Klang von Orgelregistern ersetzt. Zuweilen fungierte die Orgel gar als Orchesterersatz.  Mit diesem Hintergrund kann man auch gut die Transkriptionen von Orchesterwerken auf die Orgel nachvollziehen, wie sie von J. S. Bach oder seinem Vetter J. G. Walther geschrieben wurden. Die Thüringer Barockorgeln sind daher aufgrund ihrer Verschmelzungsfähigkeit außerordentlich gute Begleitinstrumente, mehr als in anderen Regionen, wo die Orgeln eher als solistische Instrumente begriffen wurden. Die Trost-Orgel in der Stadtkirche Waltershausen ist als größte Barockorgel Thüringens eine der Höhepunkte dieser Entwicklung und außerordentlich reichhaltig an interessanten Klangfarben. Sie ist daher aus unserer Sicht das ideale repräsentative Instrument für die Einspielung der gesamten Jahreszeiten in der Fassung für Violine und Orgel.

Der Weg zur Aufnahme der Jahreszeiten erfolgte „step a step“. Zunächst waren es einzelne Sätze, bald wurde es ein ganzes Konzert („der Winter“), das bearbeitet und aufgeführt wurde. Das Konzept, die Solovioline unangetastet zu lassen und der Orgel den Orchesterpart zu übertragen, ging auf und weckte den Appetit auf eine Gesamtfassung. Wie aber weiter? Da sind einerseits die klanglichen Möglichkeiten dieser Orgel, die sich so hervorragend mit der Violine mischen und Vivaldis Programm sehr naturalistisch hörbar machen. So lassen die Flötenregister die Vögel des Frühlings sehr lieblich zwitschern, auch Hirtenschalmeien finden sich ebenso leicht wie die Jagdhornklänge des Herbstes oder das sommerliche Donnergrollen durch tiefe Pedalregister. Doch wie die heftigen Sturm- und Hagelpassagen des Sommers auf einer oft schwergängigen Orgel bewältigen? Wie mit den barocken Stimmtonhöhen der Orgeln umgehen, die eine Transposition nötig machen und daher eine Bearbeitung erschweren? Der Wille einer vollständigen Umsetzung war jedoch stark und die klanglichen Lösungen so animierend, dass die Orgel-spezifischen Strapazen in Kauf genommen wurden.

Die Violine, die David Gorol hierbei spielt, wurde 2013 von dem Berliner Geigenbauer Ragnar Hayn nach einem Modell von A. Stradivari aus dem Jahre 1704 gebaut. Es stammt aus Stradivaris bester Schaffenszeit, der „Golden Period“ und ist daher hervorragend für die Musik Vivaldis geeignet.

Die Bearbeitung für Violine und Orgel wurde von Theophil Heinke erstellt, der seit 1995 als Organist an der Trost-Orgel Waltershausen, der größten Barockorgel Thüringens, tätig ist. Diese wurde auch für die Einspielung dieser neuen Fassung verwendet.

Vier Jahreszeiten