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„David, Goliath, Saul und Jakob“ – Musikalisch-literarischer Abend

Donnerstag, 30. Juni 2022 | 19:30 Uhr | Waltershausen (Stadtkirche „Zur Gotteshilfe“)

Jürgen Banholzer (Frankfurt) – Orgel
Johanna Krumstroh (Edemissen) – Lesung

Biblische Sonaten von Johann Kuhnau sowie Texte von Stefan Zweig, Christian Hoffmann von Hofmannswaldau u.a.

Zum 300. Todestag des Leipziger Thomaskantors Johann Kuhnau

Eintritt: 10,- €

Eine musikalisch-literarische Annäherung an Johann Kuhnaus Biblische Sonaten
mit Texten von Stefan Zweig, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau u.a.

Ein Jahr vor seiner Ernennung zum Leipziger Thomaskantor veröffentlichte Johann Kuhnau (1660-1722) seine „Biblischen Sonaten“. Hundertfünfzig Jahre bevor die Programm-Musik zu großer Blüte kam, wagte Kuhnau – der seinen Zeitgenossen als Universalgelehrter galt und zudem Romane schrieb – musikalische Kommentare zu damals allseits bekannten Geschichten des Alten Testaments. Deren Themen sind Ursituationen menschlichen Daseins: Liebe, Verrat, Hass, Vergebung, Krankheit, Tod, Trostlosigkeit und Zuversicht. Das Programm führt an diese zeitlosen Stoffe heran und konfrontiert sie mit Erzählungen, Fragen und Einwänden von Dichtern aus verschiedenen Epochen.

Johanna Krumstroh © Christian Wiswe

Zu einem künstlerischen Schwerpunkt haben sich Johanna Krumstrohs Lesungen mit Musik entwickelt. Sie versteht es, ihre Zuhörer durch einen geschickten dramaturgischen Aufbau der Programme und durch ihre ausdrucksstarke Interpretation von Beginn an zu fesseln. Das facettenreiche Repertoire beinhaltet u.a. „Zwetajewa – Skrjabin“, „Orlando – eine Zeitreise“ von Virginia Woolf, „Bella Chagall und Frédéric Chopin“ (als CD mit der Pianistin Ewa Kupiec erschienen), „UN-VERBUNDEN MIT DER WELT Schubert-Hölderlin-Beethoven“. Sie ist regelmäßig bei renommierten Musik- und Literaturfestivals zu Gast, wie u. a. Literaturfest Niedersachsen, lit.COLOGNE, Frankfurter- und Leipziger Buchmesse, Europäische Kulturtage Karlsruhe, HOLK Festival, FUGATO Orgelfestival, Basler Orgelnacht, Museum Frieder Burda Baden-Baden, Klavierfestival Stade sowie Lange Nacht der Museen in Berlin. Zudem liest sie für den Oetinger Verlag.

Johanna Krumstroh erhielt zunächst Klavier- und Cellounterricht. Lehrer waren u. a. Christoph Igelbrink und Prof. Rudolf Metzmacher. Ihre musikalische Ausbildung setzte sie an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden fort und absolvierte dort ein Gesangstudium. Dieses intensivierte sie durch Meisterkurse bei Jessica Cash in London und Judith Beckmann in Hamburg. Darüber hinaus studierte sie Schauspiel an der Webber Douglas Academy of Dramatic Art in London und schloss ihre Ausbildung mit Auszeichnung ab. Johanna Krumstroh wurde als Repräsentantin der Webber Douglas Academy of Dramatic Art zum William Poel Festival in London ausgewählt.

Sie spielte in London am Chanticleer Theatre und am Drayton Theatre. Weitere Engagements führten sie an das Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Intendantin Amélie Niermeyer, nach Bern, Berlin und Hamburg. Dort war sie in der Titelrolle in „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (Rainer Werner Fassbinder) zu sehen. Mit ihrem Solostück „Die Briefe der Marianna Alcoforado“ von Rainer Maria Rilke steht Johanna Krumstroh mit außerordentlichem Erfolg in Deutschland und der Schweiz auf der Bühne, u. a. zum Literaturfest Niedersachsen, Schönberger Musiksommer und an besonderen Spielorten wie dem Dom zu Güstrow, dem Kloster Loccum und dem Berner Münster.

Jürgen Banholzer Foto: Christoph Schönbeck

Jürgen Banholzer erhielt entscheidende Impulse für sein Orgelspiel bei James David Christie in Boston und studierte dann als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes bei Ludger Lohmann in Stuttgart und bei Jean Boyer am Conservatoire Supérieur de Musique in Lyon. Es folgte ein Gesangsstudium an der Schola Cantorum Basiliensis. Im Fach Musikwissenschaft promovierte er an der Universität Mainz („Harmonik, Form, poetischer Inhalt : Untersuchungen zu Sonaten der Liszt-Schüler Reubke, Draeseke und Viole“).

Als Organist gab er Konzerte in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz. 2021 erschien bei frabernardo die CD „O güldnes Licht“, eingespielt an der Hus-Schnitger-Orgel in St. Cosmae, Stade, zusammen mit dem Tenor Georg Poplutz. Als Continuospieler auf Cembalo und Orgel ist er dem Johann Rosenmüller Ensemble seit vielen Jahren verbunden, außerdem war er Gast bei Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester, dem Balthasar-Neumann-Ensemble, L’Arpa festante, Stefan Temmingh & Ensemble.

Zusammen mit der österreichischen Salteriospielerin Margit Übellacker gründete er das Ensemble La Gioia Armonica, das unter seiner Leitung Ersteinspielungen bislang unveröffentlichter Werke von Antonio Caldara, Johann Georg Reutter, Giambattista Martini und Antonio Sacchini vorlegte. Über die bei cpo, Ramée und Radio Bremen erschienenen CDs urteilte die Fachpresse: „eine wunderbare Palette von bezaubernden Farben und berückenden strukturellen Effekten“ (Early Music); „brilliante Interpretation“ (Goldberg); „atemberaubend schön“ (BBC Music Magazine). Das Ensemble gastierte u.a. bei den Händelfestspielen in Halle, bei Ton Koopmans Festival Itinéraire Baroque,  beim Bachfestival Dordrecht, beim Early Music Festival in Timisoara, Bagnacavallo Classica und den Mitteldeutschen Heinrich-Schütz-Tagen.

Seit 2017 unterrichtet Jürgen Banholzer bei den Internationalen Alte Musik Sommerkursen in Valtice, Tschechien. Er war Lehrbeauftragter an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Solistische Auftritte als Countertenor führten ihn bis 2010 in Konzerten, Rundfunk- und CD-Aufnahmen sowie in szenischen Produktionen mit Dirigenten wie Thomas Hengelbrock, Ivor Bolton, Harry Christophers oder Jean-Claude Malgoire zusammen. Den Ensemblegesang pflegte er u.a. mit dem Huelgas Ensemble, dem Johann Rosenmüller Ensemble, dem Balthasar-Neumann-Chor und dem Amsterdam Baroque Choir.

Trost-Orgel Waltershausen 1724-30 erbaut, Foto: Theophil Heinke

Die Orgel der Stadtkirche Waltershausen ist mit 47 klingenden Registern auf drei Manualen und Pedal die größte erhaltene Thüringer Barockorgel. Ihr Schöpfer, der Altenburger Hoforgelbauer Tobias Heinrich Gottfried Trost, gab all sein Können und seine Energie, um hier einen seiner Höhepunkte zu schaffen.

Für den Orgelneubau in die 1719-1722 errichtete repräsentative Kirche war Trost nicht der Wunschkandidat der Stadtväter. Sie wollten lieber einen der günstigeren Anbieter beauftragen. Trost bekam durch Entscheid des Gothaer Oberkonsistoriums aufgrund seines Hoforgelbauer-Privilegs den Auftrag.

Er zog 1724 mit Familie nach Waltershausen und begann im gleichen Jahr mit den Arbeiten. 1727 war die Arbeit soweit, „dass im wesentlichen nur noch Pfeifenwerk zu machen ist“. Dass die Orgel wesentlich größer wird als vereinbart, blieb nun nicht mehr verborgen und nicht ohne problematische Folgen. So stellt die Stadt die Zahlungen ein, was wiederum Trosts Arbeit behindert. Die Streitigkeiten gipfeln in einer Forderung, dass man den Orgelbauer „in arrest nehmen und an den galgen hängen solle“.

Als 1730 Trost nach Altenburg zurückberufen wird, um dort dringende Aufträge zu erledigen, hinterlässt er die Orgel unvollendet. Der noch in 6 Registern fehlende Feinschliff wurde wahrscheinlich nicht mehr von seiner Hand ausgeführt.

Das Instrument wurde bekannt und eine wichtige Inspirationsquelle folgender Orgelbau-Generationen der Region. Auch heute staunen Kenner über die saubere handwerkliche Arbeit und vor allem die für ihre Zeit ungewöhnlichen und zukunftsweisenden Bauweisen.

Wurde im Laufe der Zeiten manches entsprechend dem jeweiligen Zeitgeschmack an der Orgel verändert, sind immerhin noch über 90% der technischen Anlage und 71% des Pfeifenwerkes original erhalten. 1994-98 wurde die Orgel durch den Orgelbau Waltershausen restauriert und die Veränderungen zurückgeführt.

„David, Goliath, Saul und Jakob“ – Musikalisch-literarischer Abend