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David, Goliath, Saul, Jakob und Rahel

Samstag, 2. Juli 2022 | 17:00 Uhr | Altenburg (Residenzschloss – Schlosskirche)

Jürgen Banholzer (Frankfurt) – Orgel
Johanna Krumstroh (Hannover) – Lesung

Biblische Sonaten von Johann Kuhnau sowie Texte von Stefan Zweig, Ernst Stadler, Ludwig Tieck, Matthias Claudius, Angelus Silesius

Zum 300. Todestag des Leipziger Thomaskantors Johann Kuhnau

Eintritt: 10,- €

Eine musikalisch-literarische Annäherung an Johann Kuhnaus Biblische Sonaten
Ein Jahr vor seiner Ernennung zum Leipziger Thomaskantor veröffentlichte Johann Kuhnau (1660-1722) seine „Biblischen Sonaten“. Hundertfünfzig Jahre bevor die Programm-Musik zu großer Blüte kam, wagte Kuhnau – der seinen Zeitgenossen als Universalgelehrter galt und zudem Romane schrieb – musikalische Kommentare zu damals allseits bekannten Geschichten des Alten Testaments. Deren Themen sind Ursituationen menschlichen Daseins: Liebe, Verrat, Hass, Vergebung, Krankheit, Tod, Trostlosigkeit und Zuversicht. Das Programm führt an diese zeitlosen Stoffe heran und konfrontiert sie mit Erzählungen, Fragen und Einwänden von Dichtern aus verschiedenen Epochen.

Es erklingen folgende biblische Sonaten von Johann Kuhnau:

„Der von David vermittelst der Music curierte Saul“

„Jacobs Heirath“

„Der Streit zwischen David und Goliath“

Dazu Texte von Stefan Zweig, Ludwig Tieck, Angelius Silesius, Matthias Claudius u. Ernst Stadler

Johanna Krumstroh © Christian Wiswe

Zu einem künstlerischen Schwerpunkt haben sich Johanna Krumstrohs Lesungen mit Musik entwickelt. Sie versteht es, ihre Zuhörer durch einen geschickten dramaturgischen Aufbau der Programme und durch ihre ausdrucksstarke Interpretation von Beginn an zu fesseln. Das facettenreiche Repertoire beinhaltet u.a. „Zwetajewa – Skrjabin“, „Orlando – eine Zeitreise“ von Virginia Woolf, „Bella Chagall und Frédéric Chopin“ (als CD mit der Pianistin Ewa Kupiec erschienen), „UN-VERBUNDEN MIT DER WELT Schubert-Hölderlin-Beethoven“. Sie ist regelmäßig bei renommierten Musik- und Literaturfestivals zu Gast, wie u. a. Literaturfest Niedersachsen, lit.COLOGNE, Frankfurter- und Leipziger Buchmesse, Europäische Kulturtage Karlsruhe, HOLK Festival, FUGATO Orgelfestival, Basler Orgelnacht, Museum Frieder Burda Baden-Baden, Klavierfestival Stade sowie Lange Nacht der Museen in Berlin. Zudem liest sie für den Oetinger Verlag.

Johanna Krumstroh erhielt zunächst Klavier- und Cellounterricht. Lehrer waren u. a. Christoph Igelbrink und Prof. Rudolf Metzmacher. Ihre musikalische Ausbildung setzte sie an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden fort und absolvierte dort ein Gesangstudium. Dieses intensivierte sie durch Meisterkurse bei Jessica Cash in London und Judith Beckmann in Hamburg. Darüber hinaus studierte sie Schauspiel an der Webber Douglas Academy of Dramatic Art in London und schloss ihre Ausbildung mit Auszeichnung ab. Johanna Krumstroh wurde als Repräsentantin der Webber Douglas Academy of Dramatic Art zum William Poel Festival in London ausgewählt.

Sie spielte in London am Chanticleer Theatre und am Drayton Theatre. Weitere Engagements führten sie an das Düsseldorfer Schauspielhaus unter der Intendantin Amélie Niermeyer, nach Bern, Berlin und Hamburg. Dort war sie in der Titelrolle in „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (Rainer Werner Fassbinder) zu sehen. Mit ihrem Solostück „Die Briefe der Marianna Alcoforado“ von Rainer Maria Rilke steht Johanna Krumstroh mit außerordentlichem Erfolg in Deutschland und der Schweiz auf der Bühne, u. a. zum Literaturfest Niedersachsen, Schönberger Musiksommer und an besonderen Spielorten wie dem Dom zu Güstrow, dem Kloster Loccum und dem Berner Münster.

Jürgen Banholzer Foto: Christoph Schönbeck

Jürgen Banholzer erhielt entscheidende Impulse für sein Orgelspiel bei James David Christie in Boston und studierte dann als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes bei Ludger Lohmann in Stuttgart und bei Jean Boyer am Conservatoire Supérieur de Musique in Lyon. Es folgte ein Gesangsstudium an der Schola Cantorum Basiliensis. Im Fach Musikwissenschaft promovierte er an der Universität Mainz („Harmonik, Form, poetischer Inhalt : Untersuchungen zu Sonaten der Liszt-Schüler Reubke, Draeseke und Viole“).

Als Organist gab er Konzerte in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und der Schweiz. 2021 erschien bei frabernardo die CD „O güldnes Licht“, eingespielt an der Hus-Schnitger-Orgel in St. Cosmae, Stade, zusammen mit dem Tenor Georg Poplutz. Als Continuospieler auf Cembalo und Orgel ist er dem Johann Rosenmüller Ensemble seit vielen Jahren verbunden, außerdem war er Gast bei Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester, dem Balthasar-Neumann-Ensemble, L’Arpa festante, Stefan Temmingh & Ensemble.

Zusammen mit der österreichischen Salteriospielerin Margit Übellacker gründete er das Ensemble La Gioia Armonica, das unter seiner Leitung Ersteinspielungen bislang unveröffentlichter Werke von Antonio Caldara, Johann Georg Reutter, Giambattista Martini und Antonio Sacchini vorlegte. Über die bei cpo, Ramée und Radio Bremen erschienenen CDs urteilte die Fachpresse: „eine wunderbare Palette von bezaubernden Farben und berückenden strukturellen Effekten“ (Early Music); „brilliante Interpretation“ (Goldberg); „atemberaubend schön“ (BBC Music Magazine). Das Ensemble gastierte u.a. bei den Händelfestspielen in Halle, bei Ton Koopmans Festival Itinéraire Baroque,  beim Bachfestival Dordrecht, beim Early Music Festival in Timisoara, Bagnacavallo Classica und den Mitteldeutschen Heinrich-Schütz-Tagen.

Seit 2017 unterrichtet Jürgen Banholzer bei den Internationalen Alte Musik Sommerkursen in Valtice, Tschechien. Er war Lehrbeauftragter an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Solistische Auftritte als Countertenor führten ihn bis 2010 in Konzerten, Rundfunk- und CD-Aufnahmen sowie in szenischen Produktionen mit Dirigenten wie Thomas Hengelbrock, Ivor Bolton, Harry Christophers oder Jean-Claude Malgoire zusammen. Den Ensemblegesang pflegte er u.a. mit dem Huelgas Ensemble, dem Johann Rosenmüller Ensemble, dem Balthasar-Neumann-Chor und dem Amsterdam Baroque Choir.

Trost-Orgel Schlosskirche Altenburg, Foto: Frank Burchert

Der herzogliche Hoforgelbauer Tobias Heinrich Gottfried Trost (ca. 1681-1759) schuf zwischen 1735 und 1739 die Orgel in der Schlosskirche zu Altenburg.
1739 erfolgte die Abnahme durch den gothaischen Hofkapellmeister Gottfried Heinrich Stölzel. Ihre Klangschönheit und der prächtige Prospekt machen sie zu einem herausragenden Beispiel thüringischen barocken Orgelbaus. Johann Sebastian Bach spielte die Orgel kurz vor ihrer Einweihung und lobte die Qualität des Instrumentes. 1756-1780 wirkte der Bachschüler Johann Ludwig Krebs hier als Hoforganist. 1881 wurde das Instrument durch Friedrich Ladegast aus Weißenfels wahrscheinlich auf Empfehlung Franz Liszts im Stil des 19. Jhs. verändert. 1974-1976 erfolgte eine umfassende Restaurierung durch den Orgelbaubetrieb Hermann Eule aus Bautzen, wobei der Originalzustand von 1739 rekonstruiert wurde.

Musikalisch-literarischer Nachmittag