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Bach und Wein

Dienstag, 19. Juli 2022 | 19:30 Uhr | Waltershausen, Stadtkirche „Zur Gotteshilfe“

Simon Reichert (Neustadt an der Weinstraße) – Orgel

Die Trio-Sonaten von Johann Sebastian Bach für Orgel (mit Wein-Pause)

Eintritt: 10,- €

Anders als viele liturgische Orgelmusik gehen diese teils recht lebensfrohen kammermusikalischen Stücke eher leicht ins Gehör und passen gut zu einem entspannten Sommerabend. Die Trost-Orgel der Stadtkirche Waltershausen ist mit ihren reichhaltigen Klangmöglichkeiten wie kaum ein anderes Instrument geeignet für diese echten Perlen der Orgelmusik. Simon Reichert hat eine maßstabsetzende Einspielung auf dieser Orgel geleistet und wird das Ergebnis hier präsentieren. Passend zu dieser etwas leichteren Orgelmusik werden in einer Pause Rotwein sowie andere Getränke angeboten.

Simon Reichert, Foto: privat

Simon Reichert wurde 1980 im westfälischen Gütersloh geboren. Hier sammelte er erste Erfahrungen als Sänger im Bachchor und erhielt eine Ausbildung als Pianist und Organist. Er studierte Kirchenmusik, Orgel und historische Aufführungspraxis an der Musikhochschule Detmold und der Schola Cantorum Basiliensis in Basel.

Er ist Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe, darunter des Wettbewerbs „Bach und die Moderne“ der Kunstuniversität Graz (Österreich) 2006 und des „Grand Prix d’ECHO“ in Freiberg (Sachsen), der 2014 anlässlich des 300. Geburtstags der dortigen Silbermann-Orgel ausgetragen wurde. Als Organist auf historischen und modernen Orgeln, Cembalist und Dirigent geht er einer intensiven Konzerttätigkeit nach. Daneben ist er als Kammermusiker, Chorleiter, Künstlerischer Leiter mehrerer Konzertreihen und als Pädagoge tätig.

Seine Konzerttätigkeit führt ihn an berühmte historische Orgeln in ganz Deutschland und vielen Ländern Europas. 2014 /15 führte Simon Reichert das gesamte Orgelwerk von Johann Sebastian Bach in 18 Konzerten auf. 2017 konzertierte er mit dem Mandelringquartett beim Hambacher Musikfest, erstmals bei den Internationalen Orgelfestwochen Rheinland-Pfalz und in Konzerten in Dänemark, Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. 2018 standen neben mehreren Uraufführungen Konzerte in Deutschland, Frankreich und der Schweiz auf dem Programm, 2019 Konzertreisen nach Italien, in die Schweiz sowie nach Finnland und Schweden. Im Mittelpunkt seiner Konzerttätigkeit stehen die berühmten historischen Orgeln von Arp Schnitger, Gottfried Silbermann, Heinrich Gottfried Trost, Joachim Wagner, der Familie Stumm und vielen anderen.

Zu Gast war er unter anderem in Stockholm St. Gertrud, Roskilde Dom, Helsingør St. Mariae, Hamburg St. Jacobi, Stade St. Cosmae & Damiani, Norden St. Ludgeri, Dornum St. Bartholomäus, Lübeck St. Jakobi, Brandenburg (Havel) Dom, Tangermünde St. Stephan, Dresden Hofkirche, Freiberg Dom und St. Petri, Suhl Kreuzkirche, Waltershausen „Zur Gottes Hilfe“, Erfurt-Büßleben, Glauchau Stadtkirche, Soest-Ostoennen, Marienmünster Abteikirche, Wien Michaelerkirche, Muri Klosterkirche, Basel Leonhardskirche, Asti Santa Maria Assunta, Venedig San Giorgio Maggiore, Valvasone Duomo, etc.

Trost-Orgel der Stadtkirche Waltershausen 1724-30 erbaut, Foto: Theophil Heinke

Die Orgel der Stadtkirche Waltershausen ist mit 47 klingenden Registern auf drei Manualen und Pedal die größte erhaltene Thüringer Barockorgel. Ihr Schöpfer, der Altenburger Hoforgelbauer Tobias Heinrich Gottfried Trost, gab all sein Können und seine Energie, um hier einen seiner Höhepunkte zu schaffen.

Für den Orgelneubau in die 1719-1722 errichtete repräsentative Kirche war Trost nicht der Wunschkandidat der Stadtväter. Sie wollten lieber einen der günstigeren Anbieter beauftragen. Trost bekam durch Entscheid des Gothaer Oberkonsistoriums aufgrund seines Hoforgelbauer-Privilegs den Auftrag.

Er zog 1724 mit Familie nach Waltershausen und begann im gleichen Jahr mit den Arbeiten. 1727 war die Arbeit soweit, „dass im wesentlichen nur noch Pfeifenwerk zu machen ist“. Dass die Orgel wesentlich größer wird als vereinbart, blieb nun nicht mehr verborgen und nicht ohne problematische Folgen. So stellt die Stadt die Zahlungen ein, was wiederum Trosts Arbeit behindert. Die Streitigkeiten gipfeln in einer Forderung, dass man den Orgelbauer „in arrest nehmen und an den galgen hängen solle“.

Als 1730 Trost nach Altenburg zurückberufen wird, um dort dringende Aufträge zu erledigen, hinterlässt er die Orgel unvollendet. Der noch in 6 Registern fehlende Feinschliff wurde wahrscheinlich nicht mehr von seiner Hand ausgeführt.

Das Instrument wurde bekannt und eine wichtige Inspirationsquelle folgender Orgelbau-Generationen der Region. Auch heute staunen Kenner über die saubere handwerkliche Arbeit und vor allem die für ihre Zeit ungewöhnlichen und zukunftsweisenden Bauweisen.

Wurde im Laufe der Zeiten manches entsprechend dem jeweiligen Zeitgeschmack an der Orgel verändert, sind immerhin noch über 90% der technischen Anlage und 71% des Pfeifenwerkes original erhalten. 1994-98 wurde die Orgel durch den Orgelbau Waltershausen restauriert und die Veränderungen zurückgeführt.

Bach und Wein